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Geschichte - Burgtheater Falkenfels

Seit wann gibt es das „Burgtheater Falkenfels“?

In Falkenfels wurde schon immer und gerne Theater gespielt, zumindest seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Man nannte sich damals „Theatergruppe Falkenfels“ und Spielort war das Gasthaus Moro. Auch die Namen vieler der damaligen Akteure sind noch bekannt: Xaver Aichinger, Erwin Brandstätter, Johann Geith, Georg Grimm, Reserl Grimm, Maria Himmelstoß, Fanny Lugauer, Johann Lanzinger, Toni Weber, Alfons Dietl. Doch gegen Ende der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gab es nur noch seltener Aufführungen.

1964 wurde der Junglehrer Josef Buchner an die Volksschule Falkenfels versetzt. Mit seinen Schulkindern erfreute er von da an jedes Jahr im Rahmen der Seniorennachmittage der BRK-Ortsgruppe die älteren Mitbürger der Gemeinde mit einem Krippenspiel oder, wenn diese Veranstaltungen in der Faschingszeit abgehalten wurden, mit lustigen Sketchen und Einlagen.

Bald kam von den Schülern und den nun schon Herangewachsenen der Wunsch, doch mal vor die breite Öffentlichkeit zu treten. Dies tat man im März 1978 mit sieben Sketchen, die man im Burghotel Falkenfels zur Aufführung brachte. Im Jahr 1979 studierte man dann den ersten Dreiakter ein. Er hieß: „Die Sternhoferbuam auf Brautschau“. Die Resonanz war derart groß, dass es von da an jedes Jahr selbstverständlich war, im Frühjahr mit einem großen Theaterstück die Dorfbewohner und die vielen Gäste aus den umliegenden Orten zu erfreuen. Das große Publikumsinteresse stachelte natürlich mächtig an. Dazu kam, dass vielen Falkenfelsern das Theaterspielen sozusagen im Blute liegt. Immer wieder äußerten Besucher: „Die spielen nicht Theater, sondern die leben ihre Rollen.“
Anfangs waren jährlich nur zwei bis drei Vorstellungen eingeplant, doch später wurden es durchschnittlich fünf. Und gelegentlich musste wegen der großen Nachfrage sogar noch eine weitere Vorstellung nachgeschoben werden.
Bald konnte die „Truppe“ unseres Burgtheaters Falkenfels sozusagen auch auf Gastspielreise gehen. Mit großem Erfolg spielten wir in Wetzelsberg, Kößnach, Steinburg und in Mitterfels. Außerdem beteiligte man sich an den Laienspieltagen des Kreisjugendringes 1979 und 1980.
Dass wir aber dabei nie gerade die ältere Dorfbevölkerung vergessen, beweisen die alljährlichen Sketche und Einakter, die extra für die Senioren immer einstudiert und aufgeführt werden.
Bis heute (seit 1978) wurden 27 abendfüllende Stücke (Dreiakter) und über 50 Einakter und Sketche einstudiert und aufgeführt.
Im Jahre 1990 wurde dann der Verein: „Burgtheater Falkenfels“ gegründet. Der Name stammt übrigens von unserem langjährigen Regisseur Josef Buchner.

Was geschieht mit den Einnahmen aus den Theateraufführungen?

Das Theaterspielen war in Falkenfels nie nur Selbstzweck, sondern die Spieler haben sich in all den Jahren immer in den Dienst einer guten Sache gestellt. Der Reinerlös kam immer irgendwelchen sinnvollen Einrichtungen oder Institutionen zugute.
So leisteten wir namhafte Spenden für die Außen- und Innenrenovierung der Kirche St. Josef und für die Renovierung des wertvollen Hinterglas-Kreuzweges in St. Nikola, unterstützten die Herausgabe des „Falkenfelser Kirchenführers“, halfen massiv mit zur Mittelbeschaffung für den Bau des Falkenfelser Sportplatzes, unterstützten die Arbeit des JRK Falkenfels, erfreuten die Behinderten eines Heimes in Prag 1993 (auf Initiative von Herrn Pfarrer Kutzer) mit wertvollen Sachspenden und ermöglichten den zweimaligen Transport von Sachgütern für Waisenhäuser nach Lemberg (1994) und in die Ukraine(1995). Der abenteuerliche Transport dorthin wurde übrigens auch von Mitgliedern organisiert und durchgeführt (Franz Rinkes, Albert Seidl u.a.).
Außerdem erhalten die Kindergärten in Falkenfels und Rattiszell regelmäßig Spenden. Des Öfteren konnte sich auch das Kreiskinderhaus in Straubing über eine finanzielle „Spritze“ freuen. Etliche Jahre lang besuchten die Kinder dieses Hauses, wie einige Jahre lang auch die Bewohner des Behindertenwohnheimes in Haselbach, zu deren großer Freude die erste Vorstellung jeweils kostenlos.

In den letzten Jahren haben wir uns ganz speziell der Hilfe für Leukämiekranke angenommen. Aufmerksam geworden durch das Schicksal von Peter Fritsch, der dringend eine Knochenmarkstransplantation benötigte, leierten 1997 die Mitglieder Manfred Reiner und Franz Rinkes neben der Theaterarbeit auch viele Aktionen an, um Geld für die kostspieligen Blutuntersuchungen zu erhalten. Erfreulicherweise haben viele Gruppierungen und Organisationen in unserer Heimat diese Hilfsaktion für die an Leukämie Erkrankten aufgegriffen und weitergeführt.
Mit wohl etwas berechtigtem Stolz dürfen wir heute feststellen, dass nicht nur Peter Fritsch, sondern auch anderen an dieser tückischen Krankheit Leidenden in unserer Heimat, und sogar im Ausland, lebensrettende Hilfe durch unsere Unterstützung zuteil werden konnte.
Übrigens hat unser 2. Vorstand Manfred Reiner selbst schon zweimal Knochenmark in München gespendet.

Weitere Organisationen und Gruppierungen, die mit Spenden bedacht wurden bzw. noch werden, sind der Verein zur Förderung krebskranker und körperbehinderter Kinder Ostbayern e.V. (VKKK) in Regensburg, die Bettina-Bräu-Stiftung und die Bildungsstätte St. Wolfgang in Straubing.
Nicht unerwähnt bleiben soll auch das seit einigen Jahren große jährliche Engagement unserer Mitglieder Margret Knott, Rita Malterer, Irmgard Hammerlindl und Renate Hornauer für den VKKK mit ihrer privaten Glühweinparty in Kirchroth.

Bis dato haben wir schon mit über 25.000 € die genannten diversen Projekte unterstützen dürfen, worauf wir schon etwas stolz sind. Es muss dabei auch berücksichtigt werden, dass die Eintrittspreise immer sehr kulant waren und sind.

Zurück zum Theaterspiel. Wie erfolgt die Rollenverteilung? Wer erstellt die Bühnenbilder und wie werden die Requisiten beschafft?

Besonders erfreulich ist, dass es in den vielen Jahren für alle Spieler selbstverständlich war und ist, die zugeteilte Rolle zu übernehmen, ganz gleich, ob es nun eine „tragende Rolle“ war oder - nur - eine sogenannte Nebenrolle. Es gab diesbezüglich nie Eifersucht und Neid unter den Aktiven.
Der Nikolaus in Gestalt von Hans Schedlbauer hat diesen Umstand bereits bei der Weihnachtsfeier 1993 treffend so formuliert:
„Als letzt's Wort fallt ma grad no ei
und dös soll enga Leitsatz sei:
'S Theaterspuin und da Zamahalt guit,
da is gleich, was für a Roll'n dass ma spuit.“

Genau so selbstverständlich war und ist es auch immer, dass unsere Vereinsmitglieder alle Requisiten selbst erstellen und beschaffen. Hier soll vor allem an unseren unvergesslichen Peter Scheifl erinnert sein, der uns vor ca. 30 Jahren zwei großartige Bühnenbilder kostenlos malte. Jetzt „zaubern“ Albert Seidl, Bernhard Groß und Adolf Urban mit ihren Mannen (Gerhard Hammerlindl, Josef Knott, Helmut Knott, Johann Malterer, Max Schweiger) fast jedes Jahr ein neues Bühnenbild.

Und die Frauen und Freundinnen unserer Spieler stellen sich auch immer voll in den Dienst des Ganzen. Sie backen für die Aufführungen Kuchen, kochen Kaffee, richten Wurstbrote u dgl. her und bedienen unsere Gäste (und natürlich auch die Spieler!), um die Vereinskasse kräftig aufzufüllen. Besonders beliebt sind übrigens bei unseren Gästen immer die frisch gebackenen Käsebrezen von unserem Albert Seidl während der Theateraufführungen.

Warum der Name „Burgtheater Falkenfels“, obwohl dort jetzt nicht mehr gespielt wird?

Bis 1997 war das Burghotel Falkenfels – daher auch unser Name – Ort unserer Theateraufführungen. Nachdem das Hotel verkauft worden war und geschlossen wurde, wurden wir sozusagen „heimatlos“. In Falkenfels gab es leider keine andere Spielmöglichkeit. Da brachten einige Akteure, die aus der Gemeinde Rattiszell stammen, die Sporthalle in Pilgramsberg ins Gespräch. Nach Verhandlungen mit dem SV Pilgramsberg wurde es uns ermöglicht, dort zwei Jahre lang (nämlich in den Jahren 2000 und 2001) diese Halle als Spielstätte zu benutzen.

Anlässlich der 25-Jahrfeier im Jahre 2003 konnten wir durch das Entgegenkommen des neuen Besitzers von Burg Falkenfels erfreulicherweise wieder in der Halle des Hotels spielen. Leider blieb es bei diesem einen Mal, da seitdem die Burg eine Baustelle ist.

Es schien deshalb wieder einmal das Ende des „Burgtheaters Falkenfels“ gekommen zu sein. Da gab Bürgermeister Ludwig Ettl den Tipp, beim Omnibusunternehmer Herrn Franz Ebenbeck anzuklopfen, da er gehört hatte, dieser würde uns evtl. eine seiner Omnibushallen zur Verfügung stellen. Nach einem kurzen diesbezüglichen Gespräch mit Herrn Ebenbeck war sehr schnell klar: Wir können die beheizbare Halle benützen. Herr Ebenbeck war in seiner Jugend selber aktiver Spieler unseres Vereins gewesen, wie auch einer seiner Brüder. Er weiß also bestens Bescheid über unsere Sorgen und Nöte und sagte sofort seine Unterstützung zu. Somit sind wir, zumindest vorläufig, der Spielplatzsorge enthoben. Herr Ebenbeck kommt uns auch sonst sehr entgegen. Somit können wir seit 2006 in der sogenannten Ebenbeck-Halle unsere Gäste begrüßen. Und seit dem Bau des Falkenfelser Pfarrheimes steht uns dieses dank des Entgegenkommens des Pfarrgemeinderates für die Proben zur Verfügung.

Aber nicht nur Theater wird gespielt, sondern der Verein tritt immer wieder auch als Veranstalter z. B. von Kirtatänzen oder von Faschingsveranstaltungen auf. Auch diverse Unterhaltungsabende gibt es immer wieder. So las und erzählte am 12. April 1997 auf Betreiben von Franz Rinkes und Hans Schedlbauer zum zweiten Male Toni Lauerer auf Burg Falkenfels. Er stand damals erst am Anfang seiner äußerst erfolgreichen Laufbahn. Wir ahnten damals noch nicht, dass in den nächsten Jahren fast alle seiner bisher erschienen abendfüllenden Theaterstücke von unserer Theatergruppe mit großem Erfolg auf die Bühne gebracht werden würden. 2010 konnten wir den Kabarettisten Robert Pöppl aus Laaber für einen sehr amüsanten Abend gewinnen. Auch der Ball der (Orts-) Vereine in den 90erJahren wurde wiederholt von unserem Verein ausgerichtet.

Woher kommen die Mitglieder?

Diese kommen nicht nur aus Falkenfels, sondern auch aus vielen benachbarten Orten wie Ascha, Bogen, Falkenstein, Haibach, Mitterfels, Münster, Neukirchen, Pilgramsberg, Saulburg, Straubing, Thalstetten und Wiesenfelden. Manche Aktiven sind aus familiären oder beruflichen Gründen aus Falkenfels weggezogen, blieben aber dem Verein bis heute treu, auch als Spieler. Sie nehmen dafür oft weite Wege in Kauf.

 

Welche Aktivitäten zur Förderung der Kameradschaft im Verein gibt es?

Sehr groß geschrieben wird natürlich die Kameradschaft unter allen Mitgliedern.

Gelegentlich macht man „mit Kind und Kegel“ Ausflugsfahrten z.B. nach Nürnberg in den Tierpark, nach München, ins Altmühltal oder nach Salzburg usw. Selbstverständlich besucht man alljährlich auch Aufführungen befreundeter Laienspielgruppen der Umgebung, wie Haselbach, Loitzendorf, Mitterfels, Neukirchen, Steinburg, Haibach, Windberg u.a. und auch Aufführungen z. B. in Kötzting, Rimbach, Schorndorf, Rabenstein oder Falkenstein. Demnächst ist ein Besuch der Luisenburg-Festspiele geplant. Die alljährlichen Weihnachtsfeiern sollen auch erwähnt sein. Seit einigen Jahren wird das Theater-Abschlussessen mit einer Familienwanderung zu verschiedenen Orten der Umgebung verbunden.

Wer leitet den Verein?

Seit 1998 leitet Margret Meier, geb. Huber, die Vereinsgeschicke. Vorher, seit Gründung des eingetragenen Vereins im Jahre 1990, führte Franz Rinkes den Verein. Als 2. Vorstand fungiert seit 1990 bis heute Manfred Reiner.
Spielleiter war von Anfang an Lehrer Josef Buchner gewesen. 30 Jahre lang studierte er die Stücke ein, führte Regie und war auch selber als Souffleur tätig.
Mit Beginn des Jahres 2008 hat Buchner die Einstudierung und die Regie an Gaby Vogl übergeben. Gaby stand selbst wiederholt schon in großen unvergesslichen Rollen auf unserer Bühne und ist von allen Mitspielern anerkannt worden. Leider aber musste sie aus persönlichen Gründen bereits im Jahre 2011 die Spielleitung zum großen Bedauern aller Vereinsmitglieder schon wieder abgeben.
Wer sollte nun die Einstudierung und Spielleitung übernehmen? Schließlich erklärten sich 2012 Anita Aumüller und Silvia Groß bereit – sozusagen im Doppelpack – diese nicht leichte Aufgabe zu übernehmen. Aber beide waren auch schon seit langen Jahren immer auf unserer Bühne gestanden und können nun ihren Erfahrungsschatz weitergeben an die Aktiven. Wegen ihrer großen Kompetenz garantieren diese beiden sicher in den kommenden Jahren, dass die Aufführungen des Falkenfelser Burgtheaters wie bisher gerne von den vielen Freunden aus nah und fern besucht werden.

Aktive SpielerInnen in den über 38 Jahren unseres Bestehens waren bzw. sind:

Anita Aumüller, Simon Aumüller, Stefanie Bauer, Roswitha Dendorfer, Thomas Dietl, Claudia Ebenbeck, Eduard Ebenbeck, Elisabeth Ebenbeck, Franz Ebenbeck, Walter Ebenbeck, Daniel Edenhofer, Renate Fischer, Uwe Gewald, Clarissa Grimm, Beatrix Grimm, Wolfgang Georg Grimm, Sonja Hatzinger, Helga Hornauer, Elvira Huber, Margret Huber, Andrea Janker, Gaby Vogl, Roland Keck, Johannes Kerscher, Otmar Kerscher, Josef Knott, Max Kienberger, Monika Lang, Bernhard Loibl, Siegfried Paulus, Konrad Paulus, Roswitha Paulus, Alexandra Pflügl, Katrin Piendl, Christian Piendl, Stefan Piendl, Ulrich Prommersberger, Manfred Reiner, Silvia Reiner, Johannes Reiner, Katharina Reiner, Franz Rinkes, Christian Spanner, Robert Spanner, Hans Schedlbauer, Albert Seidl, Sabine Schmid, Monika Urban, Marietta Walter, Christian Wolf, Markus Zankl, Franz Zimmermann sen., Franz Zimmermann jun., Manfred Zimmermann.

Hans Schedlbauer verstorben

Ein großer Verlust war für die Vereinsmitglieder der Tod von Johann Schedlbauer, der nach einer heimtückischen, schweren Krankheit am 3. November 2013 verstorben war. Hans war ein Urgestein unseres Burgtheaters Falkenfels. Seit über 20 Jahren war er fast jedes Jahr einer der Hauptakteure auf der Bühne und von Jahr zu Jahr hatte er immer mehr seine schauspielerischen Fähigkeiten entfaltet. Er war aber nicht nur ein großartiger Schauspieler, er war vor allem ein treuer Kamerad, stets hilfsbereit, immer zu einem Spaß aufgelegt. Er wurde dabei aber nie verletzend. Wo unser Hans war, da war es lustig. Mit seinen Gedichten, die ihm leicht fielen, erheiterte er oft unsere Runden. Die Erinnerung an schöne Tage und Stunden und die Gedanken an die gemeinsame Zeit mit Hans tragen ein Lächeln in unsere Trauer.

Und jetzt freuen sich die Aktiven schon wieder auf die neue Spielzeit!

 

Verfasser: Josef Buchner, Mitterfels, Januar 2016

 

 




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